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„Mit der Soziotherapie legen wir einen wichtigen Grundstein für einen nachhaltigen Wiederaufbau.“

18 Februar 2021 12:25

Ihr Land liegt in Trümmern, Sie sind geflohen und können jetzt endlich zurückkehren. Doch dann stellt sich heraus, dass Ihr Haus und Ihr Grundstück von jemand anderem übernommen worden sind. Was würden Sie tun? Oder aber, Ihre Gruppe hat sich jahrelang mit einer anderen Gruppe gestritten, und wenn sich der Rauch gelegt hat, müssen Sie gemeinsam weitermachen. Wie lernen Sie zu vertrauen? ZOA hilft in diesen Situationen durch Soziotherapie. „Das gibt den Menschen Mut, ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen!“

ZOA hilft von der Nothilfe bis zum Wiederaufbau, zum Beispiel mit sauberem Trinkwasser, Bildung und Landwirtschaft. Aber 'materielle' Hilfe allein reicht nicht aus, sagt Corita Corbijn, Spezialistin für Friedensförderung bei ZOA. „Wenn die beteiligten Menschen in einer Region nicht bereit sind zu kooperieren und einander und der Zukunft nicht vertrauen, dann waren einige der Investitionen umsonst. Denn dann kann ein Konflikt einfach wieder aufflammen.“ Die Soziotherapie findet in Ländern wie Kongo und Liberia statt, die eine Geschichte von Krieg und Konflikt haben. „Mit der Soziotherapie legen wir einen wichtigen Grundstein für einen nachhaltigen Wiederaufbau.“

Tiefes Misstrauen
Diejenigen, die Gewalt und Krieg erlebt haben, leiden oft unter unverarbeiteten Emotionen und Wut. Dies kann in Alkoholabhängigkeit, häusliche Gewalt und andere Aggressionen ausarten. Die Menschen sind es oft auch gewohnt, z. B. direkt ein Messer zu schwingen, anstatt etwas friedlich zu diskutieren. „Mit unserer Soziotherapie, einer speziellen Gesprächsmethode, lernen die Menschen, mit Konflikten und Emotionen umzugehen“, sagt Corita. Diese Sitzungen dauern fünfzehn Wochen. ZOA arbeitet mit lokalen Organisationen und Freiwilligen zusammen, um diese Sitzungen anzubieten.

Sociotherapie in Congo Kalungu 2019 - foto Jaco KlamerSoziotherapie im Kongo Kalungu 2019 - Foto: Jaco Klamer

Das Ziel der Soziotherapie ist es, Selbstvertrauen, Verständnis und Verbindung innerhalb einer Gruppe oder zwischen Gruppen aufzubauen. Zum Beispiel zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen oder innerhalb von Familien. Die Teilnehmer nehmen an Gruppendiskussionen und Rollenspielen teil. Es werden alle möglichen Themen abgedeckt, zum Beispiel: Wie gehe ich mit meinem Nachbarn um, der sich streiten will? Corita: „Ich möchte betonen, dass wir keine Traumabehandlungen durchführen, weil wir dafür nicht qualifiziert sind. Aber es hilft, wenn Menschen ihre Probleme in einer Gruppe teilen können.“

Ermutigende Ergebnisse

Die Soziotherapie wird bereits in Liberia und im Kongo eingesetzt. Und die Ergebnisse sind sehr ermutigend. Jérémie Shanvu aus dem Ostkongo ist der Leiter einer Jugendgruppe. Er sagt: „Wir sehen eine Veränderung der Mentalität und des Verhaltens bei den Teilnehmern, sogar bei uns selbst. Wir reagieren nicht mehr primär aufgrund unserer Emotionen, sondern denken zuerst an uns und andere. Wir schaffen es, andere nicht mehr als Feinde zu sehen und... wir haben mittlerweile sogar Freunde unter unseren ehemaligen Feinden!“

Corita: „In der Soziotherapie machen Passivität und Misstrauen Platz für Vertrauen und Kooperation. Das erfordert Mut. Mut, sich selbst beiseite zu stellen. Mut, nicht immer Recht haben zu wollen. Mut, die Vergangenheit ruhen zu lassen und Mut, einem anderen in die Augen zu schauen. Denn das kommt nicht nur Ihnen zugute, sondern der ganzen Gemeinschaft. Also alle Achtung vor unseren Teilnehmern, denn sie trauen sich etwas!“

Dutzende Teilnehmer sammeln gemeinsam Geld, um u.a. eine Sozialtherapie für zurückgekehrte Flüchtlinge zu ermöglichen, indem sie sich die gelaufenen Kilometer sponsern lassen. Und auch Sie können mitmachen! Wählen Sie Ihre eigene Strecke und radeln, gehen, laufen, rollen oder schwimmen Sie mit uns! Oder unterstützen Sie diese Aktion mit einer Spende.